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„Bald neue Hülle für das Beginenhaus“

Finanzausschuss: Fassade des „mittelalterlichen Schatzkästchens“ soll saniert werden

[Allgäuer Zeitung, 30. November 2011]

 

(von Jochen Sentner)

Kempten – Hinter dem schäbigen Aussehen vermutet kaum jemand ein Baudenkmal von Rang. Doch Fachleute sprechen vom Beginenhaus von einem Schatzkästchen aus Mittelalter und Renaissance. Seit Kurzem ist an einem Banner zu sehen, wie die Front zur Burgstraße nach einer Sanierung aussehen könnte. Je früher, desto lieber wünschen sich viele den Beginn der Arbeiten.

Im Investitionsplan der Stadt stand fürs Jahr 2012 zunächst eine Null beim Sanierungsgebiet unter der Burghalde. „Derzeit ist das Gebiet nicht mit Fördergeldern ausgestattet“, erläuterte Baureferentin Monika Beltinger im Finanzausschuss am Montagabend. In einem Gesamtkonzept soll der Bedarf mitsamt dem Beginenhaus zusammengestellt werden in der Hoffnung, dass dann Zuschüsse fließen.

Wenigstens für Maßnahmen rund um die Fassadensanierung sollte Geld bereit gestellt werden, drängte CSU-Fraktions-Chef Erwin Hagenmaier: „Das Gebäude ist wirklich keine Zierde mehr“. Im Umfeld der hergerichteten oder neu erstellten Häuser am Eingang zur Altstadt erscheine es als wunder Punkt. Sollte sich im Laufe des nächsten Jahres eine Chance ergeben, die Außenhaut und die Fenster anzugehen, „müssen wir Gewehr bei Fuß stehen“.

Das sahen alle Ausschussmitglieder ähnlich. Sie reservierten zusätzlich zu nicht verbrauchten Mitteln aus den Vorjahren 20 000 Euro. Die Bauverwaltung soll in mit dem Förderverein Beginenhaus intensiv prüfen, ob ein vorgezogenes „Lifting“ möglich sei. Vielleicht, so Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer, entstehe dadurch auch ein gewisser Schub für die gesamte Sanierung und die Mobilisierung weiterer Spender. Schätzungen zufolge geht es bei dem Projekt um rund drei Millionen Euro.

Als „Haus der Buchkultur“ würde der Förderverein Beginenhaus das Ensemble gerne wieder mit Leben erfüllen. Allerdings ist man in Sorge um staatliche Zuschüsse: Diese würden nicht ausgezahlt bei vorzeitigem Baubeginn, unter den auch das Streichen der Fassade falle.


Das Beginenhaus

Der Gebäudekomplex ist seit 650 Jahren Teil der Geschichte Kemptens. Die Häusergruppe besteht aus dem Beginenhaus in der Burgstraße und dem Nonnenturm in der Burghaldegasse. Verbunden sind beide durch einen größtenteils modernen Zwischenbau. Die Häuser stehen seit fast drei Jahrzehnten leer und befinden sich seit 2005 wieder im Besitz der Stadt. Die ersten Nutzerinnen waren sogenannte Beginen. So wurden ab dem frühen 13. Jahrhundert Frauen bezeichnet, die in religiöser Gemeinschaft wohnten, ohne sich jedoch lebenslang zu binden.

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung.

 

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Dezember 2011