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Pressemitteilung vom 11.03.10

Der neue Nutzungsplan für das Beginenhaus

Vorgestellt vom Förderverein Beginenhaus Kempten e.V. am 10. März 2010

Am Mittwoch bei der Jahreshauptversammlung wurde die neue Idee zur Nutzung des Beginenhauses den Vereinsmitgliedern präsentiert. Die Pläne für ein „Haus der Buchkultur“ im Beginenhaus stießen auf großes Interesse und Begeisterung.
In einem ersten Gespräch am Donnerstag mit dem Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer, der Baureferentin Monika Beltinger und dem Leiter des Kulturbüros Dr. Gerhard Weber zeigten sich die Vertreter der Stadt Kempten ebenfalls sehr angetan von der Grundidee. Jetzt beginnt die Phase der Detailplanung und der ausführlichen Beratungen über die neue Nutzung, gerade auch im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der Stadtbibliothek.

Der Förderverein hat in den letzten Monaten intensiv an einer neuen Nutzungsplanung für das Beginenhaus gearbeitet, nachdem sich Teile des alten Konzeptes als hinderlich für eine Finanzierung erwiesen haben ((dazu unten der Abschnitt „Vorgeschichte“)).

Bei einem offenen Workshop wurden etliche Themenfelder diskutiert und wieder verworfen:
Die Themen „Jugend“, „Senioren“, „Gesundheit“, „Musik“, „Spiel“, „Sport“, „Kunsthandwerk“„Vereine“ erwiesen sich zumeist als ungeeignet: Der Bezug zum Haus fehlt, die baulichen Eingriffe wären zu groß oder das Thema wird bereits in Kempten von anderen Einrichtungen erfolgreich abgedeckt, so dass kein weiterer Bedarf besteht.

Als geeignetes Themenfeld, das genauerer Betrachtung wert ist, erwies sich der Bereich
„Historische Buchkultur“:

Die Stadt Kempten besitzt einen ca. 30.000 Bände umfassenden Bestand historischer Bücher vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, ein historischer Schatz ersten Ranges, der nicht zugänglich, nicht erschlossen und nicht genutzt ist. Zur Zeit sind diese Bücher auf mehrere Standorte verteilt eingelagert.
Die wirtschaftliche Kraft der Reichsstadt vom 15. bis ins 19. Jahrhundert entstand mit durch die umfangreiche Papierproduktion in Papiermühlen und -fabriken entlang der Iller.
Im „Haus der Buchkultur“ im Beginenhaus soll auch dieses Thema dargestellt werden.
Im 19. und 20. Jahrhundert waren mehrere wichtige Verlagshäuser in Kempten tätig:
Ihr bedeutendes Wirken hat ebenfalls Raum im „Haus der Buchkultur“.

Im „Haus der Buchkultur“ im Beginenhaus findet der historische Kemptener Bücherschatz eine würdige Heimat und steht erstmals der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Dafür sind folgende Räumlichkeiten vorgesehen:

– Konservatorisch geeignete Magazine für die Bücher in mehreren Räumen

– Ein Büro, in dem städtische Bibliotheks- und Archivmitarbeiter den Bücherbestand erschließen und die Anfragen der Besucher bearbeiten.
Das Haus deckt somit den Schnittpunkt zwischen Bibliothek und Archiv ab. Zentral ist die Erschließung des Buchbestands in einer Datenbank, die über das Internet an das bayerische Bibliothekenverbundsystem OPAC angeschlossen werden kann und damit weltweit öffentlich zur Verfügung steht. So kann auch die virtuelle Zusammenführung und Benutzbarkeit ehemals vorhandener oder heute an verschiedenen Orten aufbewahrter weiterer Kemptener Buchbestände realisiert werden.

– Ein Lesesaal zur Benutzung der Bücher und als Arbeitsraum für Geschichtswerkstätten, Museumspädagogik, Schulprojekte, Kurse, Workshops und Seminare

– Der Eingangsbereich mit Garderobe und Schließfächern

– Ein Arbeitsraum für Gastwissenschaftler

– Eine Buchwerkstatt, in der Kurse rund um das Thema „Papier und Buch“ stattfinden können.

– Ein Ausstellungssaal, in dem zu wechselnden Themen besondere Bücher gezeigt werden können.

Beibehalten vom alten Nutzungsplan wurden die Elemente

Eingangsfoyer von der Burghaldegasse aus

Museum im Nonnenturm (1. und 2. OG), eingerichtet und betrieben vom Verein
(Betriebsmodell wie beim Allgäuer Burgenmuseum auf der Burghalde)

Veranstaltungsraum im Beginenhaus (EG), voraussichtlich betrieben vom Verein

– das Café im Nonnenturm (EG), verpachtet

– Auch die Konzeption des neuen Mittelbaues mit Aufzug, Treppenhaus und Toilettenanlagen für alle Stockwerke bleibt.

Statisch und bautechnisch lässt sich diese Nutzung denkmalschonend realisieren. Wie beim alten Nutzungsplan hat der Verein bei jedem Raum sorgfältig überlegt, welche Nutzung sich technisch umsetzen lässt, bei größtmöglicher Schonung der wertvollen Originalsubstanz.

Ergänzt wird das Angebot im „Haus der Buchkultur“ durch ein ehrenamtlich vom Verein betriebenes Antiquariat im Laden zur Burgstraße. Dort können Bücherfreunde sich mit Lesestoff eindecken.

Sowohl im Lesesaal als auch im großen Veranstaltungsraum finden „Events“ rund um Bücher, Geschichte und Literatur statt: Hier treffen sich Geschichtswerkstätten, Lesezirkel und Schreibgruppen. Es gibt Lesungen, Themenwochen, Workshops, Kurse, Poetry Slams, Buchvorstellungen und vieles mehr. In Kempten bestehen bereits viele Gruppen, die sich mit Geschichte oder Literatur beschäftigen: Im „Haus der Buchkultur“ finden sie ein passendes Zuhause.

Das „Haus der Buchkultur“ wird für Kempten und die gesamte Region der zentrale Anlaufpunkt für alles, was mit dem Thema „Buch und Geschichte“ zu tun hat.

Vorgeschichte

Im Jahr 2009 hat sich gezeigt, dass die kommerzielle Nutzung in einzelnen Bereichen des Beginenhauses einige öffentliche Förderwege versperrt. Auch wurde vom Hausbesitzer, der Stadt Kempten, wie auch von Besuchern der dringende Wunsch geäußert, auch die als Büros vorgesehenen Räume mit ihrer wertvollen historischen Bausubstanz dauerhaft öffentlich zugänglich zu halten.

Nachdem auch in der Diskussion um den Museumsentwicklungsplan immer wieder das Beginenhaus als Standort eines städtischen Museums ins Gespräch gebracht wurde, war auch deshalb eine Überprüfung unserer bisherigen Planungen notwendig. Dabei hat sich herausgestellt, dass ein großes Stadtmuseum im gesamten Beginenhaus aus verschiedenen Gründen unmöglich ist.

Bei mehreren internen Sitzungen und in einem offenen Workshop diskutierten wir über neue Nutzungsmöglichkeiten. Grundbedingungen bei der Suche waren die Verträglichkeit mit den bauhistorischen Schätzen der Häuser, eine möglichst öffentliche Zugänglichkeit über alle Ebenen und die Erfolgschancen des Projekts für eine längere Zukunft.

 

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