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„Spannende Nutzung“

Beginenhaus soll Zentrum für Buchkultur werden – Sanierung ab 2013?
[Melanie Läufle, Kreisbote, 22. Februar 2012, S. 3]

 

Kempten – Ein „Zentrum für Buchkultur“ soll in naher Zukunft im Beginenhaus entstehen. Die Vorsitzende des Fördervereins Beginenhaus Kempten, Birgit Kata, stellte vergangene Woche im Kulturausschuss das Konzept dafür vor und erntete von den Stadträten viel Lob und Begeisterung. Geht es nach dem Förderverein, soll schon 2013 mit der Sanierung von Beginenhaus und Nonnenturm begonnen werden. Allerdings geht das nur mit der Unterstützung der Stadt, denn das Vorhaben kostet schätzungsweise zwischen drei und vier Millionen Euro.

Dank des Einsatzes des 2003 gegründeten Fördervereins ist das über 650 Jahre alte Beginenhaus vom Verfall gerettet worden. Nachdem sich in mehreren Workshops eine Nutzung als „Zentrum für Buchkultur“ als ideal herauskristallisiert hat, möchte der Verein nun auch die Sanierung vorantreiben und das Konzept realisieren. Platz finden soll im Beginenhaus künftig die etwas 3000 Bände umfassende historische Büchersammlung der Stadt, die seit Jahrzehnten nicht öffentlich zugänglich ist. „Der Bücherschatz ist über die ganze Stadt verstreut und derzeit nicht nutzbar“ so Kata.

Der Verein plant nun die Einrichtung eines Lesesaals, einen Ausstellungsraum und eine Buchwerkstatt, damit diese Bücher nutzbar werden. Außerdem soll im westlichen Gewölbe des Nonnenturms ein Café entstehen. Die mittelalterliche Torhalle des Beginenhauses, in dem früher das Restaurant „Europa“ war, soll in einen Veranstaltungsraum umgewandelt werden, der auch für Familienfeiern und Feste angemietet werden kann.

Im ersten und zweiten Obergeschoss des Nonnenturms möchte der Förderverein Beginenhaus ein Museum der Reichsstadt Kempten einrichten, in dem in originalen Räumen die Wohnkultur des Mittelalters und er Renaissance erlebt werden kann. Auch die Geschichte des Beginenhauses und des Nonnenturms soll gezeigt werden.

Der Mitteltrakt, der keine wertvolle Bausubstanz aufweist, wird durch einen Neubau ersetzt. „Hier kann dann ein Aufzug eingebaut werden, der Beginenhaus und Nonnenturm bedient und auch die Sanitäranlagen finden hier Platz“, erläuterte die Vorsitzende des Fördervereins. Das Dachgeschoss beider Häuser bleibt unausgebaut, um die wertvolle Originalsubstanz aus Mittelalter und Renaissance zu bewahren.

Begeisterte Stadträte

„Unsere Vorstellung ist, dass die Stadt die Räume mietet, in denen die Bücher untergebracht werden“, erklärt Kata. Außerdem erhofft sich der Förderverein einen Zuschuss für die Sanierungskosten. Die liegen, laut Kata, Kostenschätzungen zufolge, zwischen drei und vier Millionen Euro. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz habe dem Förderverein eine „ordentliche sechsstellige Summe“ in Aussicht gestellt – vorausgesetzt der Anteil der Stadt ist auch entsprechend“, so Kata. Der Verein selbst würde die Sanierung mit viel Eigenarbeit unterstützen und das Beginenhaus im Erbbaurecht von der Stadt übernehmen. Mit den Mieteinnahmen aus dem Café und den Räumen sollen die laufenden Kosten des Hauses abgedeckt werden. „Ich finde die Nutzung sehr gut und spannend“ lobte Kulturbeauftragte Hildegard Greiter (CSU). Auch ihr Parteikollege Andreas Kibler freute sich über die Entwicklung und meinte, dass er das Zentrum für Buchkultur sofort nutzen würde. Begeistert waren auch die beiden Grünen-Stadträtinnen Erna-Katzrein Groll und Carolin Brög.

OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) wünscht sich bis Herbst eine konkrete Kostenberechnung. „Wenn 2012 die Sanierung beginnen soll, müssen wir bis Herbst 2012 wissen, wie viel von der Stadt erwartet wird.“ Die Stadtverwaltung versucht im Gegenzug, den Bereich um das Beginenhaus als „Sanierungsgebiet“ auszuweisen. So könnten dann Städtebaufördermittel fließen.

 

Das Beginenhaus

1357: Das Beginenhaus wird als zweistöckiges Steingebäude mit einer großen Torhalle als Durchfahrt zum Innenhof errichtet. Das Rückgebäude wird an die bestehende Stadtmauer angebaut.

1392/95: Das Rückgebäude, der Nonnenturm, wird um ein Wohngeschoss erhöht und bekommt ein neues Dachwerk.

1584–1586: Das Beginenhaus wird um ein weiteres Stockwerk erhöht und der neue große Dachstuhl aufgesetzt. In beiden Gebäuden werden die Wohnräume und Säle zum Teil mit bemalten Vertäfelungen und Kassettendecken reich ausgestattet.

1600–1850: In den folgenden Jahrhunderten werden an den Gebäuden Ergänzungen und Reparaturen vorgenommen. Dadurch bleiben die Baukörper in ihrer mittelalterlichen und renaissancezeitlichen Substanz einschließlich der Raumausstattung erhalten.

1866: Am Beginenhaus wird ein Toilettenanbau errichtet, der über die Balkone zugänglich ist.

1877: Beim Teilabbruch des Nachbarhauses wird der Nonnenturm beschädigt. Nach der Reparatur wird die Mauer im Hof errichtet.

1984: Der letzte Mieter zieht aus. Die Häuser kommen unter Denkmalschutz.

2003: Der Förderverein Beginenhaus Kempten wird gegründet. Ziel ist es, die Häuser zu erforschen, zu sanieren und denkmalgerecht zu nutzen.

2005: Die Stadt Kempten nimmt die Häuser wieder in ihren Besitz zurück. Der Förderverein beginnt mit der Entschuttung und Reinigung der Häuser und veranlasst mehrere Notsicherungsmaßnahmen.

2009: In mehreren Workshops wird nach einem neuen Nutzungskonzept gesucht, das gemeinnützig ist und möglichst viele Räume öffentlich zugänglich macht. Ein „Zentrum für Buchkultur“ erweist sich als ideal.

2013: Start der Sanierungsarbeiten?

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Kreisboten.

 

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Februar 2012