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Harte Kämpfe mit »dem Weib«

Beim Benefizabend im Beginenhaus gab es Heiteres, Kurios und Historisches zu hören
von Christine Tröger [Kreisbote, 12. September 2007, S. 4]

Kempten - Der Benefiz-Abend zum 650-jährigen Jubiläum des Beginenhauses in Kempten vergangenen Freitagabend hatte einen besonderen Ehrengast zu den Feierlichkeiten ins Müßiggengelzunfthaus gelockt: Marie-Luise Marjan, als „Mutter Beimer“ aus der Lindenstraße einer großen Fangemeinde ans Herz gewachsen, hatte ihren Kurzurlaub im Allgäu spontan dazu genutzt, das ehrgeizige Sanierungsprojekt des Fördervereins Beginenhaus Kempten e.V. zu unterstützen. Dieser hatte ein kurzweiliges Programm auf die Beine gestellt, um wieder Geld für die Sanierung des Hauses, das ursprünglich als Wohn- und Arbeitsstätte einer klosterähnlichen Schwesterngemeinschaft diente, in die Vereinskasse zu bekommen.

Obwohl das Beginenhaus im spätmittelalterlichen Jahr 1357 erbaut worden war, wählten die Organisatorinnen des Festabends die Renaissance-Zeit als Thema, da das Haus und der Nonnenturm in dieser Epoche „ihre Erweiterung und ihre prächtige Ausstattung erfahren haben“, wie Birgit Kata, Vorsitzende des Fördervereins und Moderatorin des Abends, erklärte.

Den musikalischen Teil bestritten die Flötistinnen Solvejg Fiederling und Priti Schlubach mit der Pianistin Swetlana Lang, die das Publikum durch Musikstücke mit Bezug zur Kemptener Geschichte oder zur Renaissance in die Vergangenheit entführte. Dazwischen trug Johanna Spreitler, die als Ersatz für Anke Schupp eingesprungen war, außergewöhnliche Geschichten und Anekdoten aus einer Chronik des 18. Jahrhunderts vor, zusammen getragen vom Kemptener Konventherr Hartmann Nothfest, in der sich Texte bis zurück ins 16. Jahrhundert gefunden hatten.

 

Weibliche Legenden

Da erfuhren die Zuhörer allerhand Kemptener Historie und Histörchen und „auch, was sich sonsten denk- und verwunderwürdiges in alt und neuen Zeiten in der Welt hin und wieder zugetragen“, wie die Titelseite über den Inhalt der Chronica verriet. Über „der Deutschen Sitten, Gewohnheiten und Gebräuchen“ wird berichtet, dass laut Tacitus „die deutschen Weiber in großen Ehren seien gehalten worden“. Und über deren Tapferkeit schrieb „Florus, der römische Skribent, dass mit den deutschen Weibern nicht eine kleinere Schlacht denn mit den Männern sei gewesen“. Von einer „Weibsperson“, die Karl den Großen mit einem „güldenen bezauberten Liebesring“ betört habe, erzählte eine andere Geschichte.

Natürlich fehlte auch Heinrich der Kempter nicht, der Kempten durch ein im 13. Jahrhundert über ihn verfasstes Versepos des Dichters Konrad von Würzburg im mittelalterlichen Europa bekannt gemacht hat. Auch wenn „unser Chronist seine eigene, vermutlich sehr alte Version der Geschichte bringt“, wie Kata den Bericht vom starken Ritter ankündigte.

Wie sich die berühmteste Kemptenerin, Königin Hildegard, zweite Ehefrau Karls des Großen, mit „ihrer Klugheit, ihrem Können und ihrem Charme“ den Begehrlichkeiten ihres Schwagers Talando erwehrte, auch davon war zu hören. Ihr Bild wurde zum Wappen des Kemptener Klosters, dessen Stifterin und Gönnerin sie gewesen war. „Wie immer, ergreifen auch hier wieder die Frauen die Initiative, ebenso wie die Trümmerfrauen in Berlin“, begeisterte sich der Ehrengast Marjan nach dem Programm über das Sanierungsprojekt. Sie würden den wahren Wert von Kultur erkennen und bewahren, meinte die Schauspielerin weiter, und „die Stadt kann Frau Kata dankbar sein für ihre Arbeit“.

 

Lob für Schmid

Sie beglückwünschte CSU-Stadtrat Josef Leonhard Schmid dazu, dass er als erster Mann erkannt habe, was für eine tolle Initiative hier entstanden sei und diese auch unterstützt habe. „Noch bevor der Förderverein gegründet war“, wie Kata anfügte. Nicht müde werdend gab die sozial und kulturell stark engagierte Lindenstraßen-Darstellerin fleißig Autogramme und plauderte fröhlich mit den anderen Gästen am Buffet. Bei Ihrem Besuch im Beginenhaus am Sonntag zwei Tage später, dem „Tag des offenen Denkmals“, übernahm Marjan die offizielle Schirmherrschaft des Sanierungsprojekts Beginenhaus Kempten, das voraussichtlich 2,5 Millionen Euro kosten wird.

Spenden für die Sanierung werden dankend angenommen bei der Sparkasse Allgäu, Konto 610257578, BLZ 73350000. Wer an einer Vereinsmitgliedschaft oder Mitarbeit bei der Sanierung des Beginenhauses interessiert ist findet Informationen unter www.beginenhaus-kempten.de.

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Kreisboten.

 

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12. September 2007