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Ein neues Kleid für Aschenputtel

Beginenhaus – Stadträte finden Konzept des Fördervereins für „Zentrum der Buchkultur“ gut – Sanierung schon 2013?

[Allgäuer Zeitung, 17. Februar 2012]

von Stefanie Heckel

Kempten – Im Märchen ist die Sache einfach: Da muss sich das in Lumpen gehüllte Aschenputtel nur hinsetzen – und schon bekommt es vom weißen Vogel edle Gewänder für den Ball und am Ende einen schnuckeligen Prinzen. Im wahren Leben haben es Aschenputtel deutlich schwerer. Das heruntergekommene und seit Jahrzehnten leer stehende Beginenhaus in der Altstadt ist ein solches Aschenputtel. Der „Förderverein Beginenhaus“ will sich endlich ans „Aus-der-Asche-holen“ wagen und ab 2013 sanieren. Das geht aber nicht ohne „weißen Vogel“ – also ohne die Hilfe der Stadt. Vereinsvorsitzende Birgit Kata umwarb deshalb die Stadträte im Kulturausschuss und stellte das Konzept für ein „Zentrum der Buchkultur“ vor.

Das schwebt dem Verein vor: Wissenschaft, Gastronomie, Vermietung von Räumen, Museum – auf diese Säulen stützt sich das Konzept. So könnte die Stadt im Beginenhaus eine Außenstelle des Stadtarchivs eröffnen. Darin, so Kata, würden dann tausende historische Bücher einen Platz finden, die derzeit „über die ganze Stadt verstreut“ seien. „Kein Mensch weiß, so welches Buch liegt“, so Kata. Bekannt ist nur, dass die Sammlung etwa 30 000 Bände umfasst und die ältesten Bücher rund 600 Jahre alt sind. Gemeinsam mit der Stiftung Denkmalschutz könnte die Sammlung wissenschaftlich bearbeitet werden.

Im Erdgeschoß des Beginenhauses wolle man zudem ein Café einrichten – Vereine, Organisationen und Privatleute sollen zudem Räume für Veranstaltungen mieten können. Im Nonnenturm will der Verein ein kleines Museum zum Wohnen im Mittelalter und der Renaissance betreiben.

Was würde das kosten? Mehr als grobe Schätzwerte gibt es derzeit nicht. Im Raum stehen drei bis vier Millionen Euro.

Das wünscht sich der Verein von der Stadt: Zum einen soll die Stadt das Archiv einrichten und die Räume dafür vom Verein mieten. Außerdem geht es ums Schultern der Sanierungskosten. Denn die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die einen „höheren sechsstelligen Betrag“ geben will, zahlt nur, wenn sich auch die Stadt beteiligt.

Das will der Verein selbst leisten: Er würde das Haus von der Stadt übernehmen – und zwar im Erbbaurecht. Das heißt: der Verein erwirbt – gegen Entgelt – das Recht, das Haus zu unterhalten und zu betreiben. Mit den Einnahmen aus den Mieten und dem Café sollen beispielsweise der Bauunterhalt und das Museum finanziert werden.

Wann könnte es losgehen? Die Sanierung soll 2013 starten.

Das sagt der Kulturausschuss:
„Acht Jahre Arbeit durch den Verein – ich fände es schön, wenn es weitergeht“, meinte Claudia Dress. Andreas Kibler (beide CSU) würde ein Zentrum der Buchkultur „sofort nutzen“. Erna-Kathrein Groll und Carolin Brög von den Grünen würdigten das Engagement des Fördervereins – und Michael Hofer (ÖDP) konnte der Idee mit den vermietbaren Veranstaltungsräumen einiges abgewinnen.

Und jetzt? Wird geplant und gerechnet. Bis Herbst, so sagte Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer, soll der Verein beziffern, mit welcher Summe die Stadt einsteigen müsste. Die Stadt wiederum kümmere sich darum, ob das Areal ums Beginenhaus „Sanierungsgebiet“ werden könnte. Für solche Gebiete fließen nämlich Städtebaufördermittel. Diese könnten dann dem Beginenhaus zu Gute kommen.

Zahlen und Fakten
Beim Beginenhaus handelt es sich um einen Gebäudekomplex in der Burgstraße (eigentliches Beginenhaus) und der Burghaldegasse (Nonnenturm). Teile sind bis zu 650 Jahre alt.
Moderne Zwischenbauten verbinden die Gebäude – der Förderverein will sie abreißen.
Der Name leitet sich von den ersten Nutzern ab, den so genannten „Beginen“. Diese Frauen lebten in religiöser Gemeinsacht, ohne sich jedoch lebenslang zu binden.
Seite 2005 befinden sich die Gebäude im Besitz der Stadt, der Förderverein möchte sie in Erbbaurecht übernehmen.

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung.

 

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Februar 2012