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Das Lamm Gottes im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit

Restauratoren am Nonnenturm
[Allgäuer Zeitung, 7. Oktober 2011]

 

Kempten (li) - Am Sandsteintorbogen in der Burghaldegasse trafen sich heute Fachleute aus München und Regensburg, um die momentan laufenden Konservierungsmaßnahmen für dieses mittelalterliche Kunstwerk zu besprechen.
Judith Schekulin ist die Spezialistin für das Material Stein im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in der Abteilung für Restaurierung. Sie berät den Förderverein fachlich bei den Erhaltungsmaßnahmen am Torbogen in der Burghaldegasse und anderer Bauteile. Durchgeführt wird die Maßnahme von der Steinwerkstatt Regensburg, die auf eine langjährige Erfahrung mit Baudenkmälern und Steinplastiken zurückblicken kann.

Das steinerne Torgewände im Nonnenturm mit der gotischen Inschrift, der Segenshand und dem Lamm Gottes im Scheitel ist das einzige erhaltene Beispiel mittelalterlicher Bauplastik in Kempten. Ursprünglich war das Tor von der Burgstraßenseite aus der Hauptzugang ins Beginenhaus; durch die große Torhalle kam man in den Innenhof und zum Hinterhaus. Der Torbogen entstand um 1357, als das Beginenhaus als zweigeschossiges Steinhaus neben dem Illertor errichtet wurde.

Weil der Schlossermeister Bretzel eine größere Zufahrt zu seiner Werkstatt brauchte, baute er den Torbogen 1936 aus. Auf Anraten von Bürgermeister Dr. Otto Merkt setzte er das mittelalterliche Kunstwerk 1943 auf der anderen Seite seines Anwesens in die Stadtmauer in der Burghaldegasse ein.

In den 68 Jahren, in denen das Tor an der Wetterseite steht, hat der weiche Allgäuer Sandstein arg gelitten: Schlagregen und extreme Temperaturunterschiede im Winter ließen die Oberfläche teilweise abblättern.
Der Förderverein beauftragte die Steinwerkstatt Regensburg mit der Konservierung und Sicherung des Kunstwerks. Ihr Leiter Sebastian Endemann besprach heute an dem Objekt das weitere Vorgehen und die Details der Maßnahme, die vor dem Winter abgeschlossen sein soll.
Als ebenso schön wie zweckmäßig lobte der Fachmann den Schutzbau um das Tor, den der Förderverein im Frühjahr anbringen ließ, um das Tor vor weiteren Witterungsschäden zu schützen.

Schon die ersten Reinigungsmaßnahmen am Torbogen ließen neue und überraschende Details hervortreten: Die gotische Inschrift von 1357 war wesentlich feiner und kunstfertiger ausgeführt, als die moderne Übermalung erkennen ließ. Die Buchstaben hatten Zierlinien an den Schaftenden, die Wörter waren durch kleine Rauten von einander getrennt. Die Inschrift lautet: „das ist das lamgotz (Lamm Gottes) ain biu haltter (Bewahrer) der cristenheit“. Die unterhalb des Lamms sichtbare Jahreszahl 1502 bezeichnet wohl einen Besitzerwechsel.

Die laufende Konservierung ist eine weitere Notsicherungsmaßnahme, die der Förderverein zum Erhalt des mittelalterlichen Häuserensembles durchführen lässt. Bei der öffentlichen Führung am Samstag, den 15. Oktober um 15 Uhr kann der Torbogen besichtigt werden.

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung.

 

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Oktober 2011