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Malereien aus der Renaissance-Zeit am Beginenhaus?
Untersuchungen: Fachmann nimmt Fassade unter die Lupe – Denkmal am Sonntag offen

von Stefanie Heckel
[Allgäuer Zeitung, 7. September 2010]

Kempten So mancher Kemptener dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben: ein Baugerüst am Beginenhaus? Sollte sich gar etwas tun an dem Gebäude, dessen marode Fassade seit langem hervorsticht zwischen den großteils sanierten Häusern entlang der Burgstraße? Tatsächlich tut sich etwas, bestätigt der Förderverein des Beginenhauses. Nur: Schöner wird das Erscheinungsbild des Hauses erst einmal nicht. Im Gegenteil: Ein Fachmann wird die Fassade nach historischen Malereien absuchen und letztlich noch ein paar Flecken mehr an der Außenhülle hinterlassen. Finanziert wird die Aktion durch eine Spende der Sozialbau über 5000 Euro vor einigen Monaten (wir berichteten).

Wie Historikerin Birgit Kata erklärt, nimmt Restaurator Karlheinz Weinzierl Farb- und Putzschichten in den nächsten Wochen genauer unter die Lupe. Das Erdgeschoss und der erste Stock sind rund 650 Jahre alt – aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung Beginenhaus. Bei den „Beginen“ handelte es sich um Frauen, die in frommer, religiöser Gemeinschaft zusammen wohnten und arbeiteten, ohne sich jedoch durch klösterliches Gelübde lebenslang zu binden.

Das zweite Obergeschoss wurde laut Kata erst in den Jahren 1584/85 aufgesetzt. Zu dieser Zeit war das Haus (das heute der Stadt gehört) in Besitz reicher Patrizierfamilien. „Frühere kleinflächige Proben haben bereits gezeigt, dass Malereischichten vorhanden sind“, erläutert die Fachfrau. Mit der derzeitigen Untersuchung wolle man die Außengestaltung in der Renaissance-Zeit genauer dokumentieren. Auch, um sie später einmal erneut zeigen zu können. Denn der Förderverein träumt nach wie vor davon, in der Burgstraße ein „Haus der Buchkultur“ einzurichten. „Wir haben inzwischen sowohl mit dem Landesdenkmalamt als auch mit der Stiftung Denkmalschutz gesprochen – und beide fanden die Idee wunderbar“, sagt Bernadette Mayr. Wie berichtet, hat der Verein vorgeschlagen, im Beginenhaus die Geschichte der Papierherstellung an der Iller und der Kemptener Verlagshäuser darzustellen – mit Lesesaal, Museumspädagogik, Buchwerkstatt, Ausstellungssaal, Café und Antiquariat.

„Nächstes Jahr werden wir eine neue Kostenschätzung vorlegen“ kündigt Mayr an. Schon vor Jahren war man von 2,5 Millionen Euro für Sanierung und einen neuen Mittelbau ausgegangen. „Wann sich der Stadtrat damit beschäftigen wird, wissen wir noch nicht“, sagt Mayr. Das hänge auch mit den Ideen für die Stadtbibliothek zusammen, die (wie mehrfach berichtet) aus allen Nähten platzt. „Da ist der ganze Keller bis zur Decke voll mit unsortierten, historischen Büchern – die könnten wir übernehmen“, sagt Mayr. Sie will den Tag des offenen Denkmals am Sonntag nutzen, den Kemptener diese Vision vor Ort zu erklären.

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung.

 

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September 2010