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Vorschlag: Ein «Haus der Buchkultur» im Beginenhaus

Idee - Förderverein legt neuen Nutzungsentwurf für marodes Gebäude an der Burgstraße vor - Oberbürgermeister will darüber diskutieren
[Allgäuer Zeitung, 15. März 2010]

Kempten – Was kommt heraus, wenn man einen reichen Schatz an gut 30000 historischen Büchern, ein völlig marodes und gleichwohl geschichtsträchtiges Haus mitten in der Altstadt und eine aus allen Nähten platzende Stadtbibliothek zusammenbringt? Vielleicht eine baldige Sanierung samt sinnvoller Nutzung fürs Beginenhaus zwischen Burgstraße und Burghaldegasse. Das jedenfalls hofft der Förderverein des Gebäudes. Ihm schwebt nach langen Überlegungen ein «Haus der Buchkultur» mit Museums-, Bücherei- und Gastronomie-Elementen vor. Bei Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer jedenfalls stießen die Vereinsmitglieder bei der ersten Vorstellung vergangene Woche durchaus auf offene Ohren: «Das ist sicher eine Idee, über die man diskutieren muss», so Netzer.

Was bislang geschah – Schon seit 2003 bemüht sich der Förderverein um eine Sanierung des denkmalgeschützten Hauses. Das Gebäude ist akut vom Verfall bedroht und sticht in seiner Baufälligkeit längst heraus in der ansonsten ordentlich sanierten Häuserzeile gegenüber des Schwanengeländes. Hauptproblem dabei sind die hohen Kosten für die Sanierung. Diese wurden schon vor einigen Jahren auf rund 2,5 Millionen Euro geschätzt für die Wiederherstellung des Beginenhauses mit Nonnenturm sowie die Errichtung eines Mittelbaus. In Sachen Nutzung war dem Förderverein bislang eine teils gewerbliche mit Büroräumen und Praxen vorgeschwebt, die bevorzugt an Frauen vermietet werden sollten. Diese Idee jedoch habe sich als schwer umsetzbar erwiesen. Ebenfalls verworfen wurde die Idee, den Bau (im Zuge der Neuordnung der Kemptener Museenlandschaft) für ein stadtgeschichtliches Museum zu nutzen. Gleichwohl, so betont Oberbürgermeister Netzer, man das Beginenhaus dabei keineswegs aus den Augen verloren habe. Schließlich setze das Museumskonzept gerade auch auf authentische Orte wie eben das Beginenhaus.

Die neue Idee – Ein Lesesaal, Platz für die Museumspädagogik, eine Buchwerkstatt für Kurse, ein Ausstellungssaal, ein Café im Nonnenturm und ein Antiquariat im Erdgeschoss. Unter anderem diese Ideen hat der Förderverein entwickelt. Bislang noch seien 30000 historische Bücher an unterschiedlichen Orten Kemptens eingelagert - im Beginenhaus könne man damit die Geschichte der Papierherstellung an der Iller und der Kemptener Verlagshäuser darstellen. Und gleichzeitig sei die Stadtbibliothek einen Teil ihres Platzproblems los. Immerhin, so schätzt Oberbürgermeister Netzer, belegen solche alten Bücher in der Orangerie 50 bis 60 Quadratmeter Fläche. (sh)

Die Geschichte des Gebäudes
Das Beginenhaus ist seit 650 Jahren eng mit der Geschichte Kemptens verwoben. Die ersten Nutzer des Gebäudes waren Frauen, nämlich eine religiöse Schwesterngemeinschaft. Aus damaliger Zeit stammt auch der heutige Name. Als „Beginen“ wurden ab dem frühen 13. Jahrhundert Freuen bezeichnet, die in frommer religiöser Gemeinschaft zusammen wohnten, beteten und arbeiteten, ohne sich jedoch durch klösterliches Gelübde lebenslang zu binden. Ab dem 16. Jahrhundert gehörte das Haus vornehmen Kemptener Patrizierfamilien, welche den Gebäudekomplex aufwändig ausbauten und ausstatteten. Inzwischen steht das Gebäude seit fast drei Jahrzehnten leer. Seit 2005 befindet es sich wieder im Besitz der Stadt Kempten. (Quelle: Förderverein Beginenhaus)

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung.

 

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März 2010