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Einmalige Wandmalerei vom Verfall bedroht.

Nonnenturm Förderverein will zur Rettung Spenden sammeln
von Ralf Lienert
[Allgäuer Zeitung, 8. Dezember 2008, S. 27]

Kempten | li | Dem Patrizier Raimund Dorn, um 1600 Bürgermeister der Reichsstadt Kempten, war für seine Schwiegermutter nichts zu teuer. Daher ließ er ihr 1586 im rückwärtigen Gebäude seines Anwesens am Illertor eine luxuriös ausgestattete Wohnung einbauen. Heute noch erhalten sind zwei Wohnräume, ein Schlafzimmer, eine Kammer und eine Küche mit dem großen Kamin. Die Wände und die Decke des „Sommersalons“ sind mit aufwändiger Holzvertäfelung verkleidet, mehrfarbig bemalt und mit Medaillons und Rosenblüten verziert. Dieses für ein Bürgerhaus einmaliges Renaissance Dekor – Vergleichbares findet man sonst nur in Schlössern – ist heute akut vom Verfall bedroht: Die Malschicht droht sich abzulösen. Für die dringend notwendigen Rettungsmaßnahmen braucht der Förderverein Beginenhaus Kempten mehr als 8000,- Euro.
 

Eines der ältesten Gebäude der Stadt

Das Beginenhaus und der Nonnenturm gehören zu den ältesten Häusern in Kempten. Der an die Stadtmauer angebaute Nonnenturm erhielt 1392 ein weiteres Geschoss und einen neuen Dachstuhl. Im 14. und 15. Jahrhundert bewirtschaftete eine religiöse Schwesterngemeinschaft das große Anwesen. Dann erwarben reiche Patrizierfamilien den Gebäudekomplex. Zwischen 1684 und 1586 ließ der spätere Bürgermeister Raimund Dorn die Häuser vergrößern und neu gestalten. Für seine Schwiegermutter wurde damals im Rückgebäude eine nobel gestaltete Wohnung eingebaut. Den Zeitraum der Fertigstellung verrät eine Jahreszahl auf einer geschnitzten Holzsäule.

„Vom Winterwohnraum mit dem Kachelofen aus hatte man einen großartigen Blick nach Süden ins Illertal bis zum Grünten“, beschreibt die Vorsitzende des Fördervereins, Birgit Kata, eine Besonderheit der Luxuswohnung. Damals bestand die Illervorstadt nur aus niedrigen Fachwerkhäusern, die der später sogenannte Nonnenturm weit überragte.

Die Holzvertäfelung im Sommerwohnraum ist mit Fladern-Muster bemalt, das exotische Holzmaserungen nachahmt. Medaillons und Rauten mit sogenannter Schwarzornament-Malerei verzieren die Wandbretter. An der Zimmerdecke sind fünfblättrige Rosenblüten aufgemalt. „Sie zeigen durch ihre Ähnlichkeit mit der Luther-Rose, dass die Hausbesitzer Protestanten waren“, so Historikerin Birgit Kata. „Eine weitere Besonderheit ist, dass die Malerei nie überdeckt oder durch Restaurierung verändert wurde. Sie liegt seit mehr als 400 Jahren offen wie zu ihrer Entstehungszeit“. Diese prächtige Raumausstattung gelte es nun vor dem Verfall zu retten.

Der Förderverein Beginenhaus will nach der Sanierung die beiden Obergeschosse de Nonnenturms mit ihrer jahrhundertealten Originalausstattung der Öffentlichkeit zugänglich machen. Der mittelalterliche Wehrgang und die edle Renaissance-Wohnung wollen von der Geschichte der Reichsstadt Kempten erzählen. Für die denkmalgerechte Sanierung des gesamten Anwesens will der Verein einen Eigenanteil von einer Million Euro sammeln.

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung.

 

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10. Dezember 2008