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Unter den Steinen im Keller schlummerte ein wertvoller Schatz

Münzfund. Geldstück im Beginenhaus stammt aus Venedig um 1570 von Ralf Lienert
[Allgäuer Zeitung, 28. Juni 2008]

Kempten | li | Eine gut erhaltene Silbermünze kam im Keller des Beginenhauses ans Tageslicht. Bei den Freilegungsarbeiten am Natursteinpflaster im Gewölbe fand Gabi Keim die venezianische Münze in der Größe eines Zwei-Euro-Stücks. Seit fast drei Jahren arbeitet die ehrenamtliche Mitarbeiterin des „KellerTeams“ an dem Boden. Jetzt verzückte sie mit ihrem Fund nicht nur Münzfachleute. Die rund neun Gramm schwere venezianische Münze stammt aus der Zeit zwischen 1571 bis 77. „Damit passt sie zum Umbau und der Aufstockung des Hauses durch die Patrizierfamilien Dorn und König“, erklärt Historikerin Birgit Kata.

Der Münzhistoriker Dr. Harald Derschka, der bereits ein Buch über Kemptener Münzfunde veröffentlicht hat, nahm das Stück unter die Lupe. Die Vorderseite zeigt ein übliches Motiv der venezianischen Münzen, nämlich die Belehnung des Dogen von Venedig durch den Heiligen Evangelisten Markus. Die Rückseite zeigt die Heilige Justina von Padua, die am 7. Oktober 304 unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod fand. Justina wurde in Venedig ganz besonders seit der Seeschlacht von Lepanto, verehrt. 1571 hatten türkische Truppen die venezianische Insel Zypern besetzt. Darauf fanden sich die christlichen Seemächte des Mittelmeers – Spanien, Venedig, Savoyen, Malta, Toskana, Genua und der Papst – zu einer „Heiligen Liga“ zusammen.

Die Flotte der Heiligen Liga besiegte die türkische Flotte am Tag der Heiligen Justina in der Seeschlacht von Lepanto, der größten Seeschlacht des 16. Jahrhunderts. Zum Dank feierte Venedig die Tagesheilige durch das Münzbild. Auf 260 türkischen und 211 christlichen Schiffen hatten 200 000 Mann, von denen 30 000 umkamen, gekämpft.

Derschka kennt den Wert einer 40-Soldi-Münze: „Es ist wertvolles Geld für größere Transaktionen. Venedig war einer der wichtigsten Handelsstandorte des Mittelmeerraums und Italien war ein wichtiges Zielgebiet des frühneuzeitlichen Kemptener Fernhandels.“

Mailänder Trillina war die einzige

Frühere Ausgrabungen und Gebäudeuntersuchungen brachten vorwiegend Kleingeld ans Licht. Als einzige italienische Münze des 16. Jahrhunderts liegt bislang eine Mailänder Trillina (entspricht drei Pfennig) aus der Kronenstraße 35 vor. Allerdings überliefert der 1892 gehobene Goldfund aus der Fischersteige 9 einen venezianischen Dukaten von 1618 bis 1623, der deutlich wertvoller als diese 40 Soldi ist.

 

Bücherflohmarkt zu Gunsten des Beginenhaus

Einen Bücherflohmarkt veranstaltet der Förderverein Beginenhaus am heutigen Samstag, 28. Juni, zwischen 10 und 16 Uhr am Stadtpark. Mehr als 4000 Bücher werden thematisch sortiert unter einem Zeltdach angeboten. Der Gesamterlös kommt der Sanierung des Beginenhauses und des Nonnenturms zugute. (az)

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung.

 

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1. Juli 2008